Wer meine Tätigkeiten ein bisschen verfolgt, hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich mich seit einiger Zeit viel mit Schokolade, Kakao und Nachhaltigkeit beschäftige. Ich schreibe Magazinbeiträge und Social Media Content für einen der wenigen „from Bean to Bar“-Produzenten in Deutschland – die Chocolaterie „Pott au Chocolat“ in Dortmund. Schon vorher war es mir seit einigen Jahren wichtig, keine Schokoladen aus so genanntem Konsumkakao mehr zu kaufen, mir anzuschauen, wo der Kakao herkommt und wie die Menschen, die an der Produktion beteiligt sind, behandelt werden. Dies hat sich nun, da ich viel mehr Hintergründe kenne, spannende Menschen interviewen und Geschichten hören durfte, noch verstärkt.

Ein kleines Kakao-Paradies auf Grenada

Ganz abgesehen davon, dass ich inzwischen bei einem Stück der Schokoladenmarken, die wir üblicherweise früher als Kinder als etwas Besonderes bekamen, nicht nur wegen der Herkunft, sondern auch wegen des Geschmacks meine Gesichtsmuskeln arg im Zaum halten muss. Das ist nicht böse gemeint, aber der massige Zucker, die fehlenden feinen Aromen und die nicht vorhandene Nachhaltigkeit sind für mich ein No-Go.

Lange Rede, kurzer Sinn. In diesem Zusammenhang habe ich im vergangenen Jahr während der Pandemie ein Video über Crayfishbay Organics gesehen. Das, was Kim & Lylette Russell auf Grenada aufgebaut haben, hat mich tief beeindruckt. Sie haben quasi aus dem Nichts eine über sechs Hektar große Bio-Kakaoplantage aufgebaut, auf der mittlerweile 3.000 Kakaobäume stehen.

Der weltweit einzige Holzkohlenröster für Kakao

Die beiden sind sehr stolz auf ihre Kakaofarm mit Schokoladenfabrik und beschreiben ihre Schokolade selbst als „Chocolate on a Shoestring“. Sie verwenden keine industriellen Maschinen zur Herstellung, sondern haben die meisten ihrer Geräte mit Handmühlen, Mikrowelle und Staubsauer selbst gefertigt. Ein besonderes Highlight ist der Holzkohlenröster, der in dieser Form nirgendwo sonst bei der Herstellung von Schokolade verwendet wird.

Die Schokolade stellen die beiden aus 75% Kakaomasse und 15% Bio-Zucker her. Sonst kommt nichts hinein. Das heißt, die Produkte enthalten keine Milch und keine Nüssen und sind soja-, mais- und glutenfrei.

Liebe zum Kakao und keine Zufälle

Mich haben diese Art der Produktion, der Erfindergeist und die Liebe zum Kakao direkt gepackt, als ich das Video sah. Eine „from Tree to Bar“-Schokolade quasi, bei der das gesamte Produkt auf der Farm entsteht. Ohne Zögern, und mal ehrlich, es gibt ja keine Zufälle, habe ich mich entschlossen, dieses Projekt zu fördern – über Crowdfarming.

Weshalb keine Zufälle? Über das Crowdfarming erwirbt man quasi einen Teil eines Kakaobaumes, adoptiert ihn also. Einer der Bäume heißt „Corinth“. Nun wisst ihr, weshalb ich gar nicht anders konnte, als mich zu beteiligen. Und, nicht zu vergessen, die feine Schokolade, die dafür ein paar Monate später bei mir ankam. Hübsch verpackt in einer Pappbox und einem Begleitschreiben mit einem persönlichen Dank von Lylette und Kim. Ja, ein paar Monate warten musste ich, aber das war angekündigt und für mich völlig in Ordnung. Denn in der Pandemie gab es nicht nur Lieferengpässe, sondern auch extrem erhöhte Kosten.

Achtsamer Schokoladengenuss

Vor ein paar Wochen durfte ich die Schokolade nun endlich probieren. Sie hat einen sehr feinen Geschmack und entfaltet Aromen von Nüssen, ein bisschen Holz, aber auch Früchten wie Pflaumen und Trauben.

Und was mich besonders begeistert, ist die Verzehrempfehlung für das erste Stückchen. Dort heißt es „Lege ein Stück der Schokolade auf die Zunge und lasse es langsam im Mund schmelzen. Atme ein und aus durch den Mund, während du deine Lippen geschlossen lässt. Dann lasse die Aromen deinen Hals gesamten Mund und Hals füllen“. Ihr wisst ja, dass ich in meine Kurse oft den achtsamen Verzehr von Schokolade als kleine Übung integriere. Also, noch Fragen?

Ein Stückchen Glück und eine Idee

Ganz ehrlich, in einer Zeit, in der mich so manche Entwicklung und manches Verhalten verzweifeln lassen, tut so eine kleine, nachhaltige Kakaogeschichte richtig gut. Ich hoffe, es geht euch auch so. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, die Schokolade von Kim und Lylette per Crowdfarming zu probieren.

Und irgendwie habe ich mir in den Kopf gesetzt, „meinen Baum“ und Crayfish Bay Organics irgendwann mal zu besuchen und vielleicht ein bisschen bei der Produktion über die Schulter zu schauen….

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